25 Jahre Feuerschützen,


ich kann es kaum glauben, dass es schon so lange her ist.

Es war eine saukalte Winternacht, damals am 19. Januar anno 1979, als sich 11 Schützen des Schützenvereins St. Martin Utzmemmingen, zu einem ersten Gespräch im Rohbau bei unserem damaligen Oberschützenmeister Helmut Beck trafen, um darüber zu diskutieren, ob und wie man eine Feuerschützenabteilung gründen sollte. Er war die treibende Kraft, und hatte deshalb zu sich eingeladen. Das Bier war von Ihm, man musste nur einen Krug mitbringen. Die feuchtfröhliche Besprechung dauerte bis in den frühen Morgen.


In einer Sitzung am 01. Juni 1979 wurde dann die Möglichkeit eine Feuerschützenabteilung zu gründen, vom Ausschuss behandelt.

Diese Abteilung sollte das kirchliche und kulturelle Leben im Verein und Gemeinde durch Böllerschießen bereichern. Das Böllerschießen beabsichtigte man bei kirchlichen Anlässen wie z.B. der Fronleichnamprozession, Totenehrung am Volkstrauertag und Begräbnissen, sowie bei weltliche Anlässen wie, Schützenumzügen, Hochzeitsfeiern, Geburtstagen usw. durchzuführen.


Die Gründungsversammlung fand dann am 6. Oktober des selben Jahres in der Waldgaststätte "Alte Bürg" statt.


Zu den Gründungsmitgliedern zählten:


Bauer Edgar, Beck Helmut, Beck Oswald,

Boos Klaus, Emer Martin, Faaß Horst,

Gruber Josef, Gruber Robert, Keil Siegfried,

Lindner Helmut, Rieß Helmut Singer Hubert II,

Weiß Helmut


In dieser Gründungsversammlung wurde beschlossen, eine Tracht für die Feuerschützen anzuschaffen. Von dem anfänglich angedachten Umhang mit Hut, wurde dann doch eine vernünftige Tracht, wie sie an diesem Foto hier sehen können.


Außerdem wurde festgelegt, welche Voraussetzungen man erfüllen muss, um in die Feuerschützenabteilung aufgenommen zu werden.

  1. Mitglied im Schützenverein St. Martin Utzmemmingen

  2. Der Besitz einer gültigen Erlaubnis nach § 27 Sprengstoffgesetz

  3. Besitz einer Vorderladerlangwaffe

  4. Besitz einer Tracht wie zuvor beschlossen


Als Schießleiter der Feuerschützenabteilung wurde Martin Emer gewählt.


Eine von Oswald Beck gedrechselte Eichenholzscheibe, in die von unserem Schützenkameraden Friedrich Wagner aus Westhausen, Motive nach unserer Vorgabe geschnitzt wurden, konnte als Eröffnungsscheibe am 30.05.1981 herausgeschossen werden. Diese Scheibe wurde von Helmut Rieß mit einem 1090 Teiler, vor Helmut Lindner gewonnen. Hier hinten hängt sie, und kann bestaunt werden.


Der Name Feuerschützen wurde bewusst gewählt, da wir nicht nur das Böllerschießen pflegen, sondern auch an Wettkämpfen mit den Vorderladergewehren teilnehmen wollten.



Zum Thema Böllerschießen


In Utzmemmingen war es schon längere Zeit Tradition bei kirchlichen Anlässen Böller zu schießen. Dieses Böllerschießen wurde vom Krieger- und Reservistenverein, aus dem der Schützenverein hervorging, durchgeführt. Nachdem aber der Standböller der Krieger- und Reservisten die widerkehrende Prüfung beim Beschußamt nicht mehr bestand, wurde mehrere Jahre in der Gemeinde nicht mehr geböllert. In einem Schreiben von Pfarrer Brauner an den Schützenverein fragte dieser nach, ob der Schützenverein dieses Böllerschießen übernehmen könnte. Gerne stimmte man zu.

Nachdem sich eine Reparatur des Standböllers, den wir von den Krieger- und Reservisten bekommen hätten, nicht mehr rechnete, beschloss man eine Salutkanone anzuschaffen. Diese wurde, von unseren drei Helmuts´, (Beck, Rieß und Lindner) durch einen schnell organisierten Wochenendausflug, bei einem Büchsenmachermeister in Reutte - Tirol bestellt. Bei einem Vereinsausflug, der zufällig auf dem Heimweg über Reutte führte, wurde diese Salutkanone nach Utzmemmingen gebracht.

Da diese Kanone nur auf einem einfachen Metallgestell mit gummibereiften Rädern montiert war, bauten die Feuerschützen dafür eine Lafette aus Holz mit Holzspeichenrädern. Diese Holzspeichenräder stammen von einer alten Sähmaschiene, und wurden einem Utzmemminger Landwirt mühevoll abgeschwatzt. Optisch aufgewertet, konnte die Kanone nun auch auf Schützenumzügen mitgezogen werden.


Auf dem einfachen Metallgestell, weil auch leichter transportierbar, wird diese Kanone bei Beerdigungen eingesetzt.


Durchschnittlich wird bei uns im Jahr ca. 6 Mal geböllert.

Dies geschieht normalerweise bei


Darüber hinaus haben wir aber auch bei besonderen Anlässen geböllert. Oft wurden wir von befreundeten Vereinen gebeten Ihr Fest, oder auch Ihren Festumzug anzuschießen.


Lassen Sie mich ein paar dieser besonderen Anlässe aufzählen:


Am 24.04.1982 Eröffnung der Rieser Kulturtage in Bopfingen. Als besonderer Gast war der bayerische Ministerpräsident Franz-Josef Strauß anwesend. Dass wir bei dem böllern, es galt hier die höchste Sicherheitsstufe, von der Polizei begleitet wurden, brauche ich nicht besonders zu erwähnen.


Am 23.07.83 nahm eine Fahnenabordnung des SV St. Martin an den Hochzeitsfeierlichkeiten von Gauschützenmeister Eduard Beutel und seiner Braut Laura teil. Nach der Trauung in der Wallfahrtskirche "Maria Brünnlein" in Wemding schossen die Feuerschützen einen Ehrensalut.


Am 16.09.84 anlässlich der Einweihung des Golf-Club-Härtsfeld-Ries beim Hochstatter Hof in Neresheim wurde der erste Golfball nach dem Böllerschießen der Utzmemminger Schützen abgeschlagen.


Am 30.08.98 wurde ein Vereinsausflug nach Hohenpeißenberg zu einem befreundeten Schützenverein unternommen. Die Teilnahme an einer bayerischen Fahnenweihe mit einem anschließenden Böllerschützenumzug und die Teilnahme an bayerischen Bezirksböllerschützentreffen war für alle Teilnehmer ein großes Erlebnis.


Es gäbe sicherlich noch viele weitere Beispiele, aber ich will nicht alle Böllerschießen der letzten 25 Jahre aufzählen.



Sportliche Wettkämpfe mit dem Vorderladergewehr


Da es zur Zeit der Gründung der Feuerschützenabteilung weder die sportliche Disziplin "Vorderladergewehr 50 m" gab, noch, eine Rundenwettkampfordnung, waren die St. Martin-Schützen bemüht diese voranzutreiben.

Dieses Reglement wurde erst 1980 in Bad Boll unter Mitwirkung der Utzmemminger Feuerschützen Martin Emer, Helmut Beck und Horst Faaß, beschlossen.


Im September 80 begann dann auch die erste Runde, an der Utzmemmingen mit zwei Mannschaften teilnahm. Leider konnten wir damals jedoch nur an Erfahrung gewinnen, und belegten die beiden letzten Plätze.


Aber das mit dem Erfahrung gewinnen war ernst gemein. Damals gab es für diese Disziplinen noch nicht die geeigneten Waffen auf dem Markt. Unser erstes Wettkampfgewehr war das Hawken mit einem Kaliber .45 oder .50, das gemeinsam angeschafft wurde.

Begonnen haben wir mit Rundkugeln, gepflastert oder auch nicht, mit Fett, ohne Fett, mit Melkfett, hochwertiges Maschinenfett, einfach alles Mögliche von dem wir meinten dass es unsere Leistung steigern kann. Auch mit der Bleizusammensetzung der selbstgegossenen Kugeln wurde experimentiert. Die Ergebnisse waren jedoch nicht befriedigend. Es kamen immer wieder Ausreißer vor. Das war damals aber nicht so tragisch, da von den 13 abgegebenen Wettkampfschüssen die drei schlechtesten gestrichen wurden.

Aber mit der Zeit gewann man an Erfahrung, und die Ergebnisse wurden besser.

Als dann von mehreren Schützen Vorderladergewehre von dem Büchsenmachermeister Wolf aus Schwäbisch Hall, sogenannte Wolf-Stutzen gekauft wurden, ging die Leistung sprunghaft nach oben. Die Zeit mit dem Experimentieren war vorbei. Diese Wettkampfwaffen, alles Maßanfertigungen, waren nicht nur im Preis zehnmal teurer, als das Hawken, sie waren es auch in der Präzision.


Nachdem 1995 der Rundenwettkampf vom Winter in den Sommer verlegt wurde, nahm das Interesse der Schützen ab, daran teilzunehmen, und schließlich konnte man keine Mannschaft mehr stellen. 1997 wurde dann das letzte mal am Rundenwettkampf teilgenommen.


Hier nun die Höhepunkte unserer sportlichen Erfolge, die bei Meisterschaften oder im Rundenwettkampf erreicht wurden.




Ein weiterer vereinsinterner Wettkampf ist der Jahresmeister Perkussionsgewehr, der jedes Jahr im Dezember herausgeschossen wird. Geschossen werden 15 Schuß, zur Wertung kommt das Blattl. Der Sieger erhält einen Wanderpokal.



Sonstige Aktivitäten der Feuerschützen


Um die neu erworbene Salutkanone zu finanzieren, wurde am 26.04.80 in der vollbesetzten Römerhalle ein Tiroler Heimatabend veranstaltet. Neben den "Lechtaler Buam", dem "Trachtenverein Edelweiß Syrgenstein" und dem "Gesangs- und Jodlerduo Lanzinger" traten auch die Feuerschützen mit den hierfür einstudierten Tänzen auf.

Nachdem dieser Abend ein großer Erfolg war, wurden in den folgenden Jahren noch einige Heimatabende veranstaltet.


Die einstudierten Tänze, Schuhplattler und die Holzhackerbuam wurden bei vielen Gelegenheiten aufgeführt. Die Holzhackerbuam waren ein musikalisches Stück, bei welchem das Leben von Waldarbeitern dargestellt wurde. Während dieses Stücks wurden von einem Darsteller Eier gebraten, die den Zuschauern angeboten wurden. Die Waldler selbst hackten und sägten im Rhythmus der Musik. Wobei es ihnen eine große Freude bereitete, so zu hacken, dass den Zuschauern in der ersten Reihe, die Späne um die Ohren flogen. Zwischendurch wurde zünftig Brotzeit gemacht, der hierbei ausgeschenkte Schnaps und die Brotzeit wurde dann, während der Tanz weiterging, von den Madeln der Gruppe ebenfalls an das Publikum ausgeschenkt.


Von den viele Auftritten die folgten, will ich hier nur einige nennen:


06.07.80 Die Feuerschützen treten im Festzelt in Appetshofen zusammen mit dem Jodlerkönig Franzl Lang auf. Es wurde ein Schuhplattler und die Holzhackerbuam aufgeführt.


Zünftig ging es auch am 19.08.90 in der Ankerhalle zu. Während der Veranstaltung "Tour de Ländle" des süddeutschen Rundfunks feierten ca. 300 Radfahrer auf einer Zwischenstation in Nördlingen einen bunten Abend. Neben den Mauchtalern aus Maihingen, den Goiselschnalzern aus Mönchsdeggingen wirkten auch die "Holzhackerschützen" aus Utzmemmingen mit. Diese Veranstaltung wurde aufgezeichnet und im Abendprogramm des Südwestfunk ausgestrahlt.


1991 mehrere Auftritte als lustige Holzhackerbuam unter anderem im Festzelt in Dirgenheim, bei den Krieger und Reservisten in Utzmemmingen und bei den Böhmerwäldlern in Bopfingen.

Ja sogar bis nach Frankreich wurden wir engagiert. Anlässlich des 20-jährigen Bestehens der deutsch-französischen Partnerschaft Riesbürg - Esvres, 1994, traten wir in dem Festzelt in Frankreich auf. Allerdings erhielten wir zum Holzhacken und Sägen keine frischen Baumsstämme, sondern alte Telefonmasten, die mit Holzschutzmittel getränkt waren. Abgesehen davon, dass das Sägen und Hacken damit sehr schwierig war, stank das ganze auch noch bestialisch nach dem Holzschutzmittel.


Zusammenfassend kann man also sagen, dass wir Stars waren, bekannt durch Rundfunk und Fernsehen, mit Engagements im In- und Ausland.



Die Feuerschützen heute


Wenn Sie meinem Bericht aufmerksam verfolgt haben, ist Ihnen sicherlich aufgefallen, dass die meisten Aktivitäten schon etwas länger zurück liegen.


Das sportliche Schießen beschränkt sich nur noch auf die Teilnahme einer Mannschaft bei den Meisterschaften, die Teilnehmerzahl an der Jahresmeisterschaft liegt im Durchschnitt bei 5 Schützen.


Beim Böllerschießen, besonders bei den kirchlichen Anlässen, sind es meist noch ca. 6 bis 7 Schützen.


Ich möchte meinen Bericht nicht beenden, ohne einen Blick in die Zukunft zu werfen.

Mittlerweile haben einige Schützen den Vorderlader- und Böllerschein gemacht, und es ist sicherlich nur eine Frage der Zeit bis sowohl ein Böller und/oder Vorderlader als auch die entsprechende Tracht noch angeschafft wird.


Und so hoffe ich, dass wir unser nächstes Fest personell verstärkt feiern können.


Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.



Klaus Boos

Abteilungsleiter Feuerschützen


Ansprache anlässlich des

25-jähriges Jubiläums der Feuerschützen

am 23.10.2004



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